Heute schon an morgen denken: Rücklagen bilden, vorsorgen, absichern

Wer sich selbstständig macht oder eine Firma gründet, hat beruflich mehr Freiheit. Zugleich tragen Unternehmer aber auch ein deutlich höheres Risiko auf mehreren Ebenen. Ob finanzielle Engpässe, versicherungsrechtliche Fälle oder Unsicherheiten beim Ausfall der Geschäftsleitung ‒ viele Eventualitäten sind zu bedenken. Wir zeigen dir, wo und wie du für die Zukunft vorbauen solltest.

Am Anfang stehen Euphorie und die Leidenschaft für die Sache im Vordergrund. Und so soll es ja auch sein, schließlich bringt es niemandem etwas, ein Unternehmen ohne Spaß an der eigentlichen Arbeit zu gründen. Gedanken über das Geschäftsmodell und die Startfinanzierung haben dabei erst einmal Vorrang. Dennoch gehört es zu einer soliden Firmenplanung auch dazu, bereits von Beginn an mögliche Unwägbarkeiten des Unternehmertums mitzubedenken.

Eine ausreichende Absicherung gegen finanzielle und existenzielle Probleme ist unabdingbar, denn diese können früher auftreten als so mancher Gründer es erwartet. Und selbst wenn dieser Kelch an der eigenen Firma vorübergeht, stellt sich spätestens mit der nahenden Rente die Frage, wie es ab Ruhestand weitergehen soll. Im Folgenden erfährst du deshalb, was du für dein Unternehmen absichern solltest und welche Möglichkeiten du dafür hast.

Das A und O: Liquidität sicherstellen!

Essentielle Basis eines jeden Unternehmens ist unzweifelhaft die Kapitalvorsorge. Nach den Erfahrungen der Industrie- und Handelskammer zählt ein mangelhaftes Budget bzw. Gründungskapital zu den häufigsten Fehlern bei der Gründung. Dabei sind diese beiden Kapitalformen stets konsequent zu trennen. Das Gründungskapital steht im engen Zusammenhang mit deinem Business-Plan und deckt ausschließlich die grundlegenden Ausgaben ab, die es zur Einrichtung des neuen Unternehmens braucht.

Davon unabhängig halten solltest du das Budget für laufende und unvorhersehbare Ausgaben, die in Zukunft anfallen. Reichen die flüssigen Finanzmittel nicht mehr aus, müssen verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, die ein Unternehmen mitunter weiter in die Misere führen können. Also heißt es für dich: Ausreichende Rücklagen bilden!

Auch hierbei ist eine wichtige Trennung zu beachten: Rücklagen sind nämlich etwas anderes als der scheinbar synonyme Begriff der Rückstellungen. Zwar dienen beide Maßnahmen dazu, Finanzpolster aufzubauen, doch bei Rückstellungen passiert dies zweckgebunden aus Fremdkapital, während Rücklagen als Teil des Eigenkapitals gelten und damit frei verfügbar sind. Rückstellungen müssen alle Firmen gesetzlich verpflichtend ansparen, wenn Zwecke wie die Altersvorsorge oder Instandhaltungsmaßnahmen dies erfordern. Zu Rücklagen sind ausschließlich Kapitalgesellschaften verpflichtet, jedoch empfehlen sie sich für jedes Unternehmen, gerade weil ihre Verwendungszwecke flexibel sind. Sie beugen eventuellen Verlusten vor, während bei Rückstellungen bereits im Vorhinein von bestimmten Verbindlichkeiten ausgegangen wird.

Wie werden Rücklagen gebildet?

Generell fließen die Mittel für Rücklagen zumeist aus dem Gewinn des Unternehmens, also der Differenz aus Einnahmen und Ausgaben, in einen gesonderten Topf ab. Je nach Beschaffenheit deiner Firma können aber auch die Gesellschafter durch freiwillige Einlagen aus ihrem privaten Kapital in den Rücklagen-Topf einzahlen. Zudem gibt es die Möglichkeit der Kapitaleinlagen, wenn dein Unternehmen Aktien herausgibt, die zu einem Preis angeboten werden, der oberhalb ihres Nennwertes liegt.

Gründest du eine Aktiengesellschaft, erfordert es zudem das Gesetz, dass mindestens eine Rücklage von fünf Prozent des Jahresüberschusses gebildet wird. Abseits dieser offenen Rücklagen hast du auch die Option, sogenannte stille Rücklagen zu bilden, die sich etwa aus Abschreibungen oder Preisschwankungen ergeben. Hier musst du aber auf Besonderheiten bei der Bilanzierung der Rücklagen achten, da sie steuerrechtlich anders gehandhabt werden. So wirken sich stille Rücklagen auf das Eigenkapital und den Gewinn des Unternehmens aus. In jedem Fall solltest du den Umgang mit den Rücklagen mit der Steuerberatung deiner Firma gründlich durchsprechen.

Unternehmensversicherungen: Viele Fälle sind möglich

Wie wir gesehen haben, kannst du bestimmte vorhersehbare Risiken mit Rücklagen absichern oder musst es qua Gesetz sogar. Darüber hinaus können aber natürlich auch einige unkalkulierbare Schadensfälle auftreten, für die dein Unternehmen über eine adäquate Versicherung verfügen sollte. Ebenso wie du als Privatperson individuell überlegen musst, welche Versicherungen für dich sinnvoll sind, gilt es natürlich auch für deine Firma, eine solche Abwägung durchzuführen.

Dies tust du am besten zusammen mit einem neutralen Versicherungsberater, der auf Honorarbasis arbeitet und keinem Versicherungsanbieter verpflichtet ist. Einen geeigneten Berater in deiner Nähe findest du über das Verzeichnis des Bundesverbandes der Versicherungsberater.

Typische Versicherungen, die für Betriebe obligatorisch oder zumindest überlegenswert sein können, sind zum Beispiel diese:

  • Haftpflicht: Die allgemeine Betriebshaftpflicht sollte jedes Unternehmen abgesichert haben. Zudem gibt es spezielle Erweiterungen. Für produzierende Firmen kann die Haftung von Produktmängeln übernommen werden. In Unternehmen mit Dienstwagen ist die Kraftfahrzeug-Haftpflicht vorgeschrieben. Auch Umweltschäden, die ein Betrieb verursachen kann, lassen sich inzwischen absichern.
  • Naturschäden: Jedem Firmengebäude oder -gelände kann Schaden durch Feuer, Sturm oder Wasser entstehen. Diese Schäden können ebenso abgesichert werden wie ein etwaiger daraus resultierender Ausfall von Geschäftstätigkeiten. Eine sogenannte Betriebsunterbrechungsversicherung trägt dann das Risiko weiterzuzahlender Löhne oder anderer fortlaufender bzw. zusätzlich anfallender Kosten durch Betriebsausfall.
  • EDV und Maschinen: Verluste, die durch den Ausfall wichtiger EDV-Elemente, durch Computerviren oder Datenmissbrauch entstehen, können durch Elektronik- oder Computerversicherungen abgedeckt werden. Auch Maschinen, die im Fall von Beschädigungen für Produktionsausfälle sorgen, lassen sich versichern.
  •  Transporte: Güter, die eine Firma von einem Dienstleister auf eigene Gefahr transportieren lässt, können über eine Warentransportversicherung versichert werden. Nimmt ein Unternehmen seine Transporte selbst in die Hand, ist eine Werkverkehr- oder Autoinhaltsversicherung empfehlenswert.
  • Rechtsschutz: Während es für Privatpersonen eine optionale Versicherungsmöglichkeit ist, empfiehlt es sich für Firmen durchaus, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Das ist gerade dann der Fall, wenn ein kleinerer Betrieb nicht über eine eigene Rechtsabteilung verfügt, wodurch er bei juristischen Streitigkeiten einen Nachteil gegenüber größeren Firmen mit eigenem Rechtsapparat hätte.

Soziale Absicherung zweigleisig denken

Beim Thema Sozialversicherungen wird es komplexer, da verschiedene Ebenen betrachtet werden müssen. So macht es einerseits einen Unterschied, ob du dich als alleiniger Freiberufler selbstständig machst oder eine Firma gründest, in der du Mitarbeitende beschäftigst. Zum anderen sind gesetzlich verpflichtende Versicherungen und private freiwillige zu unterscheiden. Als Solo-Selbstständiger bist du nur für dich selbst verantwortlich und musst schauen, ob du der Versicherungspflicht in der staatlichen Kranken- und Rentenversicherung unterliegst. Das ist abhängig von deiner Branche.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet eine Übersicht, welche Berufe sich gesetzlich versichern müssen. Kommst du nicht dafür in Betracht, bist du in punkto Krankenversicherung selbst gefragt, ob du dich freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse oder bei einem privaten Krankenversicherer anmelden willst.

Auf Seiten der Rentenversicherung ist es ähnlich. Du hast die Wahl, ebenfalls freiwillig in die staatliche Rentenkasse einzuzahlen. Alternativ kannst du dich über eine private Rentenversicherung absichern. Hier ist die individuelle Situation in Berufs- und Privatleben entscheidend dafür, ob sich diese Variante für dich lohnt.

Gründest du ein Unternehmen mit Beschäftigten, musst du dich darüber hinaus mit der sozialen Vorsorge deiner Mitarbeitenden befassen. Abgesehen davon, dass du aus der Firmenkasse die Hälfte der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge für deine Beschäftigten bezahlen musst, stellen sich zwei weitere Kardinalfragen: Wie hoch soll der Zuschuss sein, den du als Unternehmer auf die ergänzende Betriebsrente zahlst und möchtest du darüber hinaus Vermögenswirksame Leistungen anbieten, die deine Mitarbeitenden in zusätzliche Finanzprodukte stecken können?

All das ist vom Unternehmensbudget abzurechnen. Wie bereits gesehen, kommst du bei diesen zweckgebundenen Ausgaben meist nicht um entsprechende Rückstellungen herum. Überdies hast du als Arbeitgeber die gesetzliche Pflicht, eine Unfallversicherung abzuschließen, die praktisch einer Haftpflichtversicherung des Unternehmens gleichkommt. Es geht darum, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und berufsbedingte Gesundheitsgefahren für die Belegschaft abzusichern. Im Versicherungsfall übernimmt der Versicherer dann die Kosten, die zur Genesung des geschädigten Mitarbeiters nötig sind oder entschädigt ihn bzw. seine Familie durch Geldleistungen.

Wie kann ich mich als Geschäftsführer absichern?

Etwas Naheliegendes wird bei den Gedanken rund um die Risikovorsorge in Unternehmen gerne einmal vergessen oder zumindest vernachlässigt: Wer ist weisungsbefugt, wenn der Inhaber und Geschäftsführer der Firma lange Zeit oder gar für immer ausfällt?

Natürlich löst die Vorstellung, keine Entscheidungen mehr fällen zu können und das eigene Unternehmen alleine lassen zu müssen, Unbehagen aus. Dennoch solltest du dir als Gründer und Firmenchef überlegen, welche Vorsorge du für dich und deine verantwortungsvolle Position selbst treffen kannst. Folgende Möglichkeiten sind unter anderem ratsam:

  • Unfallversicherung: Kannst du deine Aufgaben aufgrund eines schweren Unfalls länger nicht mehr ausüben, greift ein Existenzschutz zugunsten deiner Firma. Die Zahlungen der Versicherung gehen direkt an das Unternehmen, etwa zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen oder um neue Entscheidungsträger aufzubauen.
  • Vorsorgevollmacht: Indem du ausgewählten Personen die Vollmacht erteilst, können sie als deine Stellvertreter geschäftliche und persönliche Entscheidungen treffen, wenn du langfristig durch Krankheit daran gehindert bist.
  • Altersvorsorge: Da Geschäftsführer oder Firmeninhaber im Berufsleben höhere Einnahmen generieren, Vermögenswerte aufbauen und womöglich Teile der Verantwortung auch im Ruhestand behalten, gelten für private Altersvorsorge andere Maßstäbe als bei Beschäftigten. Welche Vorsorgeformen bei dir individuell sinnvoll sind, solltest du zusammen mit einem Versicherungsmakler oder Anlageberater analysieren. Zu berücksichtigen sind dabei Gesichtspunkte wie Flexibilität, Verfügbarkeit, Insolvenzschutz und Steuern.

 

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