008 – Mit russisch Roulette aus dem Konzern ins Unternehmertum
Wie Bernhard Kothgasser fast zufällig zu seinem Dogstyler-Unternehmen kam

Nach 36 Jahren Konzern hatte Bernhard Kothgasser es satt. Er hatte es bis zum CFO eines Millionenunternehmens geschafft und war doch nicht glücklich am Ziel seiner Träume. So kam er auf den Hund und führt nun 3 Einzelhandelsgeschäfte für Hundebedarf unter dem Dach der Franchise-Marke “Dogstyler”. In diesem Gespräch erzählt der 60-Jährige von den Gründen seines Austritts aus der Konzernwelt und den Unterschieden zwischen Konzern und Selbstständigkeit.

36 Jahre im Konzern waren genug

Bernhard Kothgasser ist heute 60 Jahre alt, Österreicher, und hat 36 Jahre Konzernerfahrung auf dem Buckel. Direkt nach seiner Ausbildung hat er in einem Konzern angefangen. Über die Jahre ist er die Karriereleiter immer weiter aufgestiegen, bis zum CFO eines Unterbereiches  von einem Milliardenunternehmen im Industriesektor ging. Dort bewegte er rund 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr.

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“Wir waren finanziell gesättigt!”

Finanziell ging es Bernhard gut und seine Aufgaben waren immer interessant. Bis zu einem Zeitpunkt, wo verstärkt Compliance-Themen in den Konzernen Einzug erhielten. Es wurde für ihn immer uninteressanter und anstrengender Kontakt zu Kunden aufzunehmen. Dazu wurde es in einem stagnierenden Marktumfeld mit Verdrängungswettbewerb immer schwieriger. Dies in Kombination mit einem stets hohen Zeiteinsatz hat Bernhard ab einem bestimmten Punkt nicht mehr befriedigt.

Dabei war er es gewohnt, mit einem hohen Erwartungsdruck umzugehen. Doch die Entscheidungsfreiheiten wurden für Bernhard wie auch für seine Kunden immer enger. Es ließen sich aus Compliance-Gründen keine echten Beziehungen mehr aufbauen.

Der Übergang von Konzern in Selbständigkeit

Der daraufhin anvisierte Abschied aus der Konzernwelt war ein schleichender Prozess. Tatsächlich braucht es oft einen Einschnitt im Leben um wirklich zu Veränderungen zu kommen. Für Bernhard und seine Frau war es die Anschaffung eines Hundes.

 “Das letzte Kind hat Fell!”

Die Kinder waren aus dem Haus, seine Frau verkaufte ihr Unternehmen und zog noch während seiner Konzerntätigkeit nach 23 Jahren Fernbeziehung zu ihm nach Deutschland. Damit hatte das Paar die Möglichkeit, sich einen Hund zuzulegen. Und das führte zu einer schleichenden Änderung der persönlichen Einstellung und des eigenen Wertesystems. Und zu Zweifeln in Bezug auf eine Zukunft mit dem eingeschlagenen beruflichen Weg:

“Man fängt an zu denken, ist das was ich jetzt mache noch genau das, was ich den Rest meiner beruflichen Laufbahn machen will?”

Zwei mögliche Geschäftskonzepte aufgrund persönlicher Vorlieben

Bernhard Kothgasser und seine Frau kamen so zu dem Schluss, “etwas machen” zu wollen. Sie wussten allerdings überhaupt nicht, was sie konkret starten sollten.

Es ergab sich allerdings, dass es in Düsseldorf ein tolles Café gab, zu dem das Paar sehr gerne und regelmäßig hin ging. Er sprach also den Inhaber an, ob er sich eine Expansion nach Österreich vorstellen könnte.

Gleichzeitig brauchte sein Hund eine Transportmöglichkeit für das Auto, was keine Gitterbox sein sollte. So kam Bernhard als Kunde zu den Transportbetten von Dogstyler. Vor allem seine Frau war von dem Laden in Soest begeistert. Sie forderte ihn auf, ihn sich einmal anzuschauen, weil es so etwas nicht in Österreich gäbe.

Interessant ist, dass die somit zur Debatte stehenden zwei Optionen der beruflichen Zukunft aus dem eigenen privaten Alltag heraus entstanden sind. Es waren positive Kundenerlebnisse.

Russisch Roulette bei der Wahl der beruflichen Zukunft

Ein eigenes Konzept aufzuziehen kam für Bernhard Kothgasser nicht in Frage. Er bezeichnet sich als absolut unkreativ und wusste, das würde nicht gut gehen.

Deshalb machte er sich explizit auf die Suche nach einer Idee und einem bestehenden Konzept. Er hatte die zwei Kontakte, Café und Einzelhandel für Hundebedarf, und die Entscheidung wurde allein davon abhängig gemacht, für welches der zwei Konzepte Bernhard und seine Frau als erstes eine passende Immobilie in Österreich fanden.

So wurde es fast wie im Glücksspiel am Ende Dogstyler.

Entscheidungen werden in jedem Fall schnell getroffen

Eine solche Art Entscheidungen zu treffen, ist für Bernhard nicht untypisch. Lange Zeiten des Überlegens gibt es bei ihm nicht, sehr zum Leidwesen seiner Frau. Er durchdenkt etwas einmal und dann wird auch schon entschieden. Bis heute hat er nicht bereut, was er in der Vergangenheit entschieden hat.

Für Dogstyler sprach, dass das System damals noch in den Kinderschuhen steckte. Bernahrd und seine Frau waren der erste Franchisenehmer des Systems. So konnten sie den Franchisegeber Klaus Zachari bei der weiteren Entwicklung des Systems tatkräftig unterstützen.

Was Bernhard Kothgasser als Unternehmer auszeichnet

Ein Geschäftskonzept selbst zu entwickeln wäre für Bernhard nicht in Frage gekommen. Ihm fehlen die Ideen, was ein lukratives Geschäft werden könnte. Ebenso sieht er sich nicht als visionären Typen.

Doch ein Geschäftskonzept zu übernehmen und es als Unternehmer umzusetzen, ab dem Moment wo eine Vision bereits  in ein solches Geschäftskonzept gegossen wurde, das passte zu seiner Persönlichkeit. Dafür zeichnet ihn nach eigener Aussage insbesondere aus, dass er sehr konsequent ist und eine Aufgabe bis zum Ende umsetzt.

Der Vergleich zwischen Konzern- und Unternehmerleben

Das Leben als Unternehmer ist aus Bernhards Sicht vielfältiger. Man ist selbst und ständig für etwas verantwortlich und beschäftigt. Mit dem Kopf ist er sieben Tage die Woche im Unternehmen und die Nächte dazu. Das war allerdings nicht so gewöhnungsbedürftig, da auch vorher das Arbeitspensum von beiden hoch war.

Gewöhnungsbedürftiger war eher die Zusammenarbeit zwischen ihm und seiner Frau. Plötzlich mussten zwei eigenständige Geschäftsleute zusammenarbeiten. Wichtig dabei war auszuloten, wer welche Aufgaben hat. Bernhard gibt allen unternehmerischen Partnern den wichtigen Rat, schnell zu definieren, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Der andere Partner kann so um unterstützung fragen, wenn er sie braucht. Ansonsten sollte man aber nicht zu viel in den Bereich des Anderen hineinwirken.

Konzern hat für den einzelnen Angestellten immer ein ziemlich klar abgrenzbares Aufgabengebiet. Gleichzeitig ist eine gewisse Sicherheit vorhanden.

 “Man muss sich eben bewusst werden, wenn man aus diesem Sicherheitsnetz rausgeht, dass letzendlich der Kampf ganz ein anderer ist als mit Sicherheitsnetz und dass man auch hart fallen kann.”

Vor dem harten Fall darf man keine Angst haben. Bzw. dass es passieren KANN. Hat man diese Angst, dann rät Bernhard zu einem Verbleib im Angestelltenverhältnis.

Mit zunehmenden Alter spielt Geld eine geringere Rolle. Man sucht andere Werte. In ihrem Fall war es die Möglichkeit etwas Eigenes aufzubauen und dies mit der eigenen Arbeitskraft

Bernhard Kothgasser wünsche ich für die Zukunft weiter viel Erfolg! Zunächst für den frisch eröffneten 3. Markt und dann weiter für Nr. 4 und 5, die bereits anvisiert werden..

Shownotes

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