030 – Gründen in Österreich vs. Gründen in Deutschland
Erfahrungen von Regina, die es in beiden Ländern geschafft hat

Das Thema in diesem Podcast: Gründen in Deutschland und gründen in Österreich im Vergleich. Ausgangspunkt war ein post auf Facebook zu den rückläufigen Gründungszahlen in Deutschland. In der Diskussion um diese Meldung hat sich auch Regina zu Wort gemeldet, was Verena zum Anlass für diesen Podcast genommen hat. Zitat: "Das Problem sehe ich im Setup in Deutschland, die Risiken und Kosten für die ersten Jahre sind da deutlich zu hoch, in Österreich zum Beispiel werden die ersten drei Jahre mit vermindertem Sozialversicherungssatz gearbeitet und steuerlich sind die Stufen auch etwas entspannter - in D hatte ich grundsätzlich das Problem, dass ich eigentlich nur für Sozialversicherung und Finanzamt gearbeitet habe und am Ende nichts übrig blieb."

Audio 16:03 Min

Regina Gschladt ist schon über zehn Jahre im Aufbau von Websites und Webentwicklung tätig und selbstständig. In erster Linie bastelt sie Webseiten mit WordPress, ist aber auch viel im Onlinemarketing tätig. Da vor allem in der Beratung, gibt Workshops und veranstaltet Seminare. Sie hat auch die FranchisePORTAL GmbH bereits in der Entwicklung von Websites unterstützt.

Regina stammt ursprünglich aus Deutschland und hat dort auch ihre Ausbildung absolviert und in Deutschland 2009 ihre Firma resQ Online gegründet. Sie berichtet, dass sie damals mehr oder weniger direkt in ein finanzielles Loch fiel: die Sozialversicherung stand an, die Vorauszahlung für die Einkommenssteuer und weitere Posten wurden unmittelbar fällig. Als Gründerin sei man da generell überfordert, wenn man direkt im ersten Monat eigentlich schon Umsätze fahren müsste, um die Kosten decken zu können, so Regina im Gespräch. Aus ihrer Sicht ist der Start in die Selbstständigkeit in Deutschland schlecht geregelt, wenn man keinen finanziellen Rückhalt hat, der das erste Jahr überbrücken könnte.

Sozialversicherungskosten in Deutschland: zu hoch!

Einige Kosten lassen sich zwar voraussehen, besonders problematisch findet sie aber die Sozialversicherung. Wenn man sich für die freiwillige gesetzliche Versicherung entscheide, liege diese recht hoch. Gerade im direkten Vergleich zu Österreich seien die Kosten sehr hoch. Sie hat dann damals von der gesetzlichen Versicherung abgesehen und sich privat versichert, weil es deutlich günstiger war, erinnert sie sich.

Einzelunternehmen gründen: Deutschland und Österreich gleichauf

Die bürokratischen Hürden, um ein Einzelunternehmen zu gründen, seien jedoch gering – entgegen den Gerüchten, die man immer wieder auch online findet. Vieles ließ sich online regeln und man müsse dann eben einmal zum Gewerbeamt, weiß Regina. Sicher geht es anderswo auf der Welt noch viel einfacher, aber in Österreich sei der Aufwand für eine Gründung durchaus mit Deutschland vergleichbar.

Mit ihrem Umzug von Deutschland nach Österreich musste sie ihr Gewerbe in Deutschland abmelden und in Österreich wieder anmelden. Das sei glatt gelaufen, kann sie sich erinnern. Bis auf einen kleinen Fauxpas der österreichischen Wirtschaftskammer, lief alles glatt. Mittlerweile ist sie ein „eingetragenes Unternehmen“, kurz „e.U.“ – das entspricht in etwa dem eingetragenen Kaufmann in Deutschland.

Die Branchenzuordnung unterscheidet sich in ihrem Fall noch deutlich in Deutschland und Österreich. Während sie in Deutschland im Bereich Dienstleistung geführt wurde (wo sie sich auch selbst einordnen würde), sei die Einteilung in Österreich viel kleinteiliger. Das führte jedoch in ihrem Fall zu einer Brancheneinteilung, die ihrer Meinung nach nicht unbedingt abbildet, was sie eigentlich macht. Das wirkt sich zum Beispiel auf den Beitrag für die Wirtschaftskammer (vergleichbar mit der deutschen Industrie- und Handelskammer) aus.

Steuerklassen in Deutschland versus Steuerstufen in Österreich

Die unterste Schwelle der Steuerstufen sind in Österreich 11.000 Euro im Jahr, die steuerfrei sind. Ob man verheiratet ist oder nicht, spielt hier beispielsweise überhaupt keine Rolle, was für sie ein relevanter Punkt war.

Für Regina läuft es subjektiv in Österreich besser. Die Abgaben liegen für sie günstiger, die Steuer lässt sich weitgehend online erledigen und in Sachen Beratung ist sie mit der ritz Gründeragentur, die für sie in Niederösterreich zuständig ist, sehr zufrieden. Hier wurden bislang immer Lösungen gefunden, auch wenn man mal nicht weiter wusste, betont Regina. Ihre Kunden konnte sie dank Umsatzsteuer ID und den Richtlinien der EU auch aus Deutschland „mitnehmen“.

Allgemein sei die Gründerszene in Österreich durchwachsen, hat sie die Erfahrung gemacht. Es gäbe sowohl eine pulsierende Startup-Szene in Wien als auch Gründungen aus der Alternativlosigkeit heraus in Mödling, wo sie lebt. Generell hält sie die Österreicher für etwas verhaltener, wobei gerade die jüngeren Generationen eher mal etwas wagen.

 

Shownotes

https://www.resqonline.eu/

www.regina-gschladt.de

Der erwähnte „andere Podcast“ mit Regina zum Thema Frauen als Unternehmerinnen: https://www.unternehmer-gesucht.com/ratgeber/nicht-so-viel-zweifeln-machen-frauen-als-unternehmerinnen

Weitere Infos und Gründungsstatistiken für Österreich:

https://www.riz-up.at/

http://wko.at/statistik/ng/ng2018e-gesamt.pdf?_ga=2.253633921.92491519.1567080277-402844303.1567080277

https://www.wko.at/service/zahlen-daten-fakten/daten-unternehmensneugruendungen.html?shorturl=wkoat_statistik_ngstatistik