Diversifikation – Risikostreuung als Hauptvorteil

Den Begriff der Diversifikation oder auch Diversifizierung kennen die meisten Verbraucher und Unternehmen sicherlich aus dem Finanzbereich. Dort bedeutet diversifizieren, dass das Anlagekapital auf mehrere Anlageformen verteilt wird. Darüber hinaus gibt es den Begriff allerdings auch in Unternehmen und im Rahmen der Betriebswirtschaft.

In unserem Beitrag erfährst du zunächst, was Diversifikation eigentlich bedeutet. Ferner gehen wir auf die Ziele der Diversifizierung ein, welche Arten es gibt und was man unter Energiediversifikation versteht. Darüber hinaus informieren wir dich über den großen Bereich der Diversifizierung im Finanz- und Anlagebereich.

Was heißt Diversifikation?

Die zwei Begriffe Diversifizierung und Diversifikation werden für gewöhnlich synonym verwendet. Per Definition handelt es sich dabei innerhalb der Betriebswirtschaftslehre um eine Strategie von Unternehmen. Diese hat eine Risikostreuung zum Ziel, die zum Beispiel durch die Erweiterung bestimmter Angebote erreicht werden soll.

Dadurch sollen zudem die Chancen auf höhere Gewinne verbessert und das Risiko von Verlusten verringert werden. Im Grunde können sämtliche Wirtschaftsteilnehmer entsprechende Strategien zur Diversifizierung nutzen, nämlich:

  • Privathaushalte
  • Unternehmen
  • Staaten
Wenn es um die Diversifizierung in Privathaushalten, bei Selbstständigen und Unternehmen geht, dann betrifft diese oftmals den Bereich Geld- und Kapitalanlage, worauf im späteren Verlauf des Beitrages noch näher eingehen werden.

Welche Ziele hat die Diversifikation?

Die Diversifikation ist in aller Regel bei Unternehmen ein Teil der sogenannten Wachstumsstrategie. Im Grunde hat jede Diversifizierung zwei Hauptziele, nämlich:

Hauptziele Diversifikation

  • Risiken reduzieren
  • Gewinne maximieren
In beiden Fällen gibt es eine positive Auswirkung auf das Betriebsergebnis. Werden Risiken verringert, bedeutet das in der Praxis nämlich auch, dass weniger Verluste in Geschäftsbereichen hingenommen werden müssen.

Auf der anderen Seite können Erträge erhöht werden, wenn eine erfolgreiche Diversifikation stattfindet. Umgesetzt werden diese zwei Hauptziele oft durch einzelne Maßnahmen, die dann in der Summe eine möglichst optimale Diversifikation ergeben.

Welche Art von Diversifizierung existiert?

In der Praxis lässt sich die Diversifizierung in unterschiedliche Arten differenzieren. In erster Linie wird zwischen den folgenden drei Varianten der Diversifikation unterschieden:

Varianten der Diversifikation

  1. Vertikale Diversifikation
  2. Horizontale Diversifikation
  3. Diagonale Diversifikation
Wie du an den Begriffen bereits erkennen kannst, sind diese an geometrischen Linien und Verläufen orientiert.

Vertikale Diversifikation

Bei der vertikalen Diversifikation sind sogenannte Vorleistungsgüter oder alternativ nachgelagerte Produkte betroffen, die sich auf nachfolgende Verarbeitungsstufen beziehen. Durch die vertikale Diversifikation soll erreicht werden, dass die sogenannte Fertigungstiefe erweitert wird.

Horizontale Diversifikation

Im Gegensatz dazu gibt es bei der horizontalen Diversifikation die Erweiterung des Produktionsprogramms. Dadurch kann das bisher ohnehin bereits eingesetzte Produktionsverfahren genutzt werden, sodass meistens auch identische Wege des Vertriebs und Technologien in Anspruch genommen werden können.

Diagonale Diversifikation

Die dritte Art der Diversifikation ist die diagonale Diversifizierung, häufiger auch als bilaterale Diversifikation bezeichnet. Sie ist allerdings gleichzeitig die riskanteste Variante und zeichnet sich dadurch aus, dass für neue Märkte ganz neue Produkte produziert werden. Dabei findet kein Zurückgreifen auf vor- oder nachgelagerte Verarbeitungsstufen statt.

Was bedeutet Energiediversifikation?

Die Diversifizierung kommt nicht nur in vielen Unternehmen allgemein zum Einsatz, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Zwei große Rubriken sind zum einen die Energiewirtschaft und zum anderen das Finanzwesen.

Sämtliche Staaten, so auch die Bundesrepublik Deutschland, möchten natürlich für ihre Unternehmen und Bürger eine möglichst hohe Energiesicherheit garantieren. Dazu allerdings ist es notwendig, eine Energiediversifikation vorzunehmen.

Das bedeutet, dass die zur Verfügung gestellte Energie nicht nur aus einer Quelle stammt, wie zum Beispiel Erdöl. Darüber hinaus werden noch andere Energielieferanten genutzt, die zusammen den sogenannten Energiemix ergeben. Dieser besteht zum Beispiel in Deutschland aus den folgenden Energieträgern:

  • Erdgas
  • Erdöl
  • Windenergie
  • Solarenergie
  • Kohle
  • Atomkraft
  • Erdwärme
Wie sich an diesem Beispiel gut erkennen lässt, findet im Bereich der Energie definitiv eine Diversifikation statt. Vorteile zeigen sich gerade sehr gut in der Energiekrise, nämlich insofern, als dass die bisherigen Gaslieferungen aus Russland zumindest zu einem größeren Teil durch anderweitige Energien aufgefangen werden können.

Diversifikation im Finanzbereich

Ein zweiter großer Wirtschaftsbereich, wo die Diversifizierung ebenfalls eine große Bedeutung hat, ist der Finanzbereich. Dort haben zum Beispiel Kreditinstitute die Möglichkeit, eine Risikodiversifizierung dadurch vorzunehmen, dass sie unterschiedliche Produkte am Markt offerieren.

Im Vordergrund steht hier die Reduzierung des Ausfallrisikos von Krediten, die zum Beispiel durch folgende Maßnahmen erreicht werden kann:

  • Risikoübertragung auf andere Dienstleister
  • Sicherheiten hereinnehmen
  • Absicherung durch Derivate
  • Schutz durch Versicherungen
Allgemein gilt es bei Kreditinstituten, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Daher ist die Diversifikation in diesem Segment von großer Bedeutung.

Was bedeutet Diversifikation bei Kapitalanlagen?

Für Privatpersonen und auch Selbstständige sowie Unternehmen spielt die Diversifikation insbesondere im Bereich Geld- und Kapitalanlagen eine Rolle. Hier geht es auf der einen Seite um die Risikoreduzierung und zum anderen um eine mögliche Optimierung von Erträgen.

Diversifizierung im Anlagebereich bedeutet, dass du dein Anlagekapital zum Beispiel auf mehrere Finanzprodukte verteilst, statt den Gesamtbetrag in lediglich eine Anlageform zu investieren.

Je nachdem, um welche Art von Anlageformen es sich handelt, kannst du eine Diversifizierung nach unterschiedlichen Kriterien vornehmen, wie zum Beispiel:

  • Wirtschaftszweige und Branchen
  • Länder und Regionen
  • Risikoklasse der Anlageprodukte
  • Wertpapiergattungen
Ziel der Diversifikation im Bereich Kapitalanlagen ist vor allem, durch die Verteilung des Kapitals einen Totalverlust zu verhindern.

Wenn du zum Beispiel dein Geld bzw. das freie Kapital deines Unternehmens in fünf unterschiedliche Aktientitel investierst, ist es selbstverständlich viel unwahrscheinlicher, dass alle fünf Aktiengesellschaften insolvent werden, als wenn du das Vermögen in einen Aktientitel angelegt hättest.

Wichtig
Es geht also darum, dass du dein Kapital auf unterschiedliche Finanzprodukte und Anlageformen verteilst.

Anleger erreichen durch eine gute Diversifikation allerdings nicht nur eine Risikostreuung und damit Risikoreduzierung. Der zweite Hauptgrund für die Diversifikation ist das Optimieren des Ertrages.

Dahinter steckt der Gedanke, dass viele Anleger ohne Diversifikation eher zu sicherheitsorientiert investieren und ihr Geld zum Beispiel ausschließlich auf einem Tagesgeldkonto anlegen. In dem Fall ist das Risiko zwar sehr gering, allerdings auch die erzielbare Rendite.

Mit einer Diversifizierung hingegen könntest du zum Beispiel einen Teil des Vermögens in ertragreichere Anlageformen investieren und so eine durchschnittlich bessere Rendite erzielen.

Beispiel: Wie kann eine Diversifikation im Anlagebereich praktisch aussehen?

Nehmen wir zum Beispiel an, dass du über ein Vermögen von insgesamt 100.000 Euro verfügen kannst, welches du gerne für dein Unternehmen an den Kapitalmärkten anlegen möchtest. Dabei sind dir hohe Sicherheit und gute Rendite in etwa gleich wichtig.

Somit könnte die Diversifikation deiner 100.000 Euro in der Praxis zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • 20.000 Euro Festgeldkonto
  • 20.000 Euro Geldmarktfonds
  • 20.000 Euro Aktienfonds
  • 20.000 Euro Staatsanleihen
  • 20.000 Euro Aktien
In dem Fall hast du sowohl eine vertikale als auch eine horizontale Diversifikation vorgenommen. Das bedeutet, dass du zum einen in unterschiedliche Anlageklassen investiert hast, zum anderen allerdings auch innerhalb der gleichen Anlageform dein Kapital verteilst, nämlich auf verschiedene Aktientitel.

Automatische Diversifikation durch Fonds und ETFs

Wenn du dich nicht selbst um die Diversifikation des Vermögens kümmern möchtest, indem du zum Beispiel mehrere Aktientitel oder Anleihen auswählst, dann gibt es bei einigen Finanzprodukten auch eine sogenannte automatische Diversifikation.

Dies trifft in erster Linie auf aktiv gemanagte Fonds einerseits und auf ETFs auf der anderen Seite zu. Warum aber gibt es dort eine faktisch integrierte Diversifikation?

Sowohl ETFs als auch Aktienfonds investieren das Geld der Anleger in verschiedene Aktienwerte. Kaufst du zum Beispiel Anteile an einem DAX-ETF, dann investiert die Fondsgesellschaft ihrerseits in die 40 DAX-Werte, also in 40 unterschiedliche Aktien.

Dadurch erreichst auch du eine sehr gute Diversifikation, nämlich durch den Kauf der entsprechenden Fondsanteile. Auf gleiche Art und Weise funktionieren auch aktiv gemanagte Aktienfonds, denn auch dort kauft die Fondsgesellschaft eine Reihe unterschiedlicher Wertpapiere und nimmt somit die entsprechende Diversifizierung vor.

Welche Vorteile hat die Diversifikation?

Zusammengefasst gibt es eine Reihe von Vorteilen, durch die sich die Diversifikation in verschiedenen Branchen, Wirtschaftszweigen und bei Privatpersonen auszeichnen kann. In aller Regel stehen dabei die folgenden Vorzüge im Vordergrund:

  • Risikostreuung
  • Risikominimierung
  • Gewinnmaximierung bzw. Optimierung
  • Vermeidung von Totalverlusten
  • Unabhängig von einzelnen Anbietern machen (zum Beispiel Energiemix)
  • Handlungsoptionen erhalten

Fazit zur Diversifikation

Mit der Diversifikation ist in erster Linie die Verteilung von Produktionskapazitäten, Produkten, Dienstleistungen und Kapital auf mehrere, unterschiedliche Bereiche gemeint.

Durch die Diversifizierung wird meistens das Risiko minimiert, während auf der anderen Seite die Chance auf besonders gute Erträge optimiert wird.

Für Privatpersonen, aber auch Unternehmen und Selbstständige, spielt die Diversifikation vor allem im Anlagebereich eine Rolle, wenn nämlich das Kapital auf unterschiedliche Anlageformen verteilt wird. Etwas anderes ist das Anlagevermögen.

 

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