Venture Capital – Kapitalbeschaffung für Unternehmen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie sich Unternehmen Kapital beschaffen können. Neben Bankkrediten gehört dazu das Investment interessierter Anleger, beispielsweise über das sogenannte Venture Capital.

In unserem Beitrag erfährst du, worum es sich eigentlich beim Venture Capital handelt. Zudem geben wir dir Informationen darüber, welche Art von Venture Capital Investoren existieren, für welche Unternehmen diese Investition interessant ist und worin Potenziale und Risiken des Venture Capital bestehen.

Definition: Was ist Venture Capital?

Venture Capital ist eine spezielle Bezeichnung für Investitionen bzw. für die Überlassung von Kapital. In der Regel investiert ein privater oder institutioneller Anleger in ein noch recht junges Unternehmen und stellt dementsprechend sein Kapital zur Verfügung.

Die wesentliche Eigenschaft des Venture Capital wird deutlich, wenn man den deutschen Begriff „Wagniskapital“ kennt. Das bedeutet, dass die Investition mittels Venture Capital einerseits sehr riskant ist, auf der anderen Seite häufig jedoch Chancen auf überdurchschnittliche Gewinne existieren.

Am Markt gibt es beispielsweise eine Reihe sogenannter Venture Capital Gesellschaften, deren Haupttätigkeit darin besteht, Kapital in junge und aussichtsreiche Unternehmen zu investieren.

Das Venture Capital ist ein Teilbereich des sogenannten Private Equity. Unter dem Begriff werden im Allgemeinen sämtliche Beteiligungsformen zusammengefasst, mittels derer Unternehmen Kapital von Investoren einsammeln können.

Die Besonderheit besteht beim Teilbereich Venture Capital darin, dass es sich um besonders riskantes Kapital handelt, welches vor allem gerade gegründeten Unternehmen (StartUps) zufließt. Bei anderen Private Equity Investitionen legen Anleger ihr Kapital häufiger in Unternehmen an, die sich bereits mehrere Jahre am Markt behaupten konnten.

 

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Interessante Zahlen zum deutschen Venture Capital Markt

Auch in Deutschland wächst der Markt im Bereich Private Equity und Venture Capital stetig an. Gemäß des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften wurden beispielsweise 2014 mehr als sieben Milliarden Euro mittels Private Equity investiert. Allerdings entfiel davon nur ein relativ geringer Anteil, nämlich unter zehn Prozent, auf die Sparte des Wagniskapitals.

Aber auch im gesamten europäischen Raum boomt der Private Equity Markt. So betrug das Volumen in 2018 innerhalb der Branche bereits mehr als 260 Milliarden Euro.

Auffällig ist ebenfalls, dass ein Großteil des Kapitals in wenige Branchen investiert wird, nämlich:

  • Industriedienstleistungen
  • Industrieerzeugnisse
  • Konsumgüter
  • Telekommunikation
  • IT
  • Hightech

Wer investiert mittels Venture Capital?

Am Markt gibt es mehrere große Gruppen, die in Form von Venture Capital in andere Unternehmen und Projekte investieren. Die fünf größten Gruppen sind derzeit:

  1. Klassische Venture Capital Gesellschaften
  2. Venture Capital der (Förder-)Banken
  3. Corporate Venture Capital Gesellschaften
  4. Gründerfonds
  5. Coparion Fonds

In der Mehrzahl sind es klassische Venture Capital Gesellschaften, die als Kapitalgeber auftreten. Dabei handelt es sich beispielsweise um Fonds oder auch Vermögensverwaltungen. Darüber hinaus gibt es mehrere Förderbanken, die junge Unternehmen mit Venture Capital unterstützen möchten. Zusätzlich sind es immer mehr institutionelle Investoren in Form spezieller Fonds, die ebenfalls Venture Capital zur Verfügung stellen.

Welche Unternehmen eignen sich für Venture Capital?

Venture Capital Investoren legen ihr Kapital selbstverständlich nicht in jedes Unternehmen an, welches gerade am Markt gestartet ist. Stattdessen gibt es mehrere Faktoren und Merkmale, die ein entsprechendes StartUp aufweisen muss, damit es sich für Venture Capital Geldgeber eignet.

In erster Linie sind es die folgenden Merkmale, die bei der Auswahl der entsprechenden Investoren eine Rolle spielen.

Darauf achten Venture Capital Investoren

  • USP (Alleinstellungsmerkmal) muss vorhanden sein
  • Eindeutiger Nutzen für den Kunden
  • Neuartige und innovative Geschäftsidee
  • Sehr gute Wachstumsaussichten am Markt
  • Qualifiziertes, modernes und ansprechendes Team

Der letzte Punkt ist deutlich wichtiger als allgemein vermutet wird. Dahinter steckt, dass die Investoren mit Venture Capital weniger in Unternehmen, sondern tatsächlich in die Persönlichkeit der Geschäftsführung investieren.

Hinweis
Normalerweise beläuft sich die Mindestanlagesumme bei einer Venture Capital Beteiligung auf 100.000 bis 500.000 Euro.

Welche Chancen und Risiken gibt es beim Venture Capital?

Falls du per Venture Capital eine Investition durchführen möchtest, solltest du nicht davon ausgehen, dass du innerhalb der ersten Jahre bereits Renditen erzielen kannst. Normalerweise beginnen derartige Investitionen frühestens nach drei bis vier Jahren, sich zu amortisieren. Der Grund ist vor allem, dass die Kapitalempfänger fast ausschließlich StartUps sind, die sich erst einmal am Markt behaupten müssen und nach oft zwei bis drei Jahren bestenfalls die schwarze Null erreichen.

Darüber hinaus ist Venture Capital sicherlich eine der riskantesten Investitionen überhaupt, die es am Markt gibt. Statistisch betrachtet scheitern über 50 Prozent der Unternehmen innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre, sodass dies nicht selten den Verlust der Investition als Konsequenz hat. Nur ein kleinerer Teil aller StartUps schafft es einerseits, sich am Markt durchzusetzen und zum anderen, zu einem echten Highflyer zu werden.

Apropos Highflyer: Die Aussicht auf ein überdurchschnittlich erfolgreiches Unternehmen ist es, welche die meisten Venture Capital Investoren als Vorteil nennen. Funktioniert die Geschäftsidee auf Dauer in der Praxis und erzielt das Unternehmen nach einigen Jahren Gewinne, bedeutet das für den Investoren häufig überproportional hohe Renditen. Zusammengefasst ist also das enorme Risiko der größte Nachteil und zugleich die Chance auf überdurchschnittliche Erträge der größte Vorteil für Venture Capital Investoren.

Welche Phasen gibt es beim Venture Capital?

In welchem Umfang in Wagniskapital investiert wird, hängt insbesondere davon ab, in welcher Phase des Lebenszyklus sich das entsprechende StartUp-Unternehmen jeweils befindet. Daher ist es im Zusammenhang mit Venture Capital wichtig, die typischen Phasen eines neu gegründeten Unternehmens zu kennen, die sich in der Regel wie folgt darstellen:

  1. Vorgründungsphase
  2. Gründungsphase
  3. Wachstumsphase (mehrere Phasen)
  4. Überbrückungsphase
  5. Spätphase
  6. Ausstieg (Exit)
  7. Börsengang (optional)

Die Frühphase unterteilt sich zum einen in die Vorgründungsphase und zum anderen in der Gründungsphase. Es geht dabei insbesondere um die Planung der Geschäftstätigkeit und die anschließende Gründung des Unternehmens, mit allen damit zusammenhängenden Aufgaben und Tätigkeiten. Im optimalen Fall schließt sich nach der Gründung die Wachstumsphase an, die auch als Expansionsphase bezeichnet wird.

Läuft es gut, kann sich daran eine weitere Phase anschließen, nämlich die sogenannte Überbrückungsphase. Innerhalb dieser Phase werden weitere Expansionen geplant, für die wiederum Kapital benötigt wird. Nach durchschnittlich drei bis vier Jahren folgt die sogenannte Spätphase, die allerdings nicht mit dem Ende des Unternehmens zu tun hat, sondern die Phase bezieht sich lediglich auf die Investition mittels Venture Capital.

Sie ist vor allem durch weitere Expansionen gekennzeichnet und dadurch, dass sich Unternehmen verstärkt um andere Mittel der Finanzierung kümmern. Funktioniert das, schließt sich meistens die Ausstiegsphase an. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sich der Venture Capital Kapitalgeber aus dem Unternehmen zurückzieht. Nicht selten erfolgt bei größeren Unternehmen dann eine weitere Phase, nämlich der Börsengang. Damit generiert die Firma weiteres Kapital, nämlich durch Ausgabe von Aktien oder alternativ von Anleihen.

Fazit zum Venture Capital

Aus Sicht von Unternehmen bietet Venture Capital eine sehr gute Möglichkeit, um kostengünstig und relativ risikolos Kapital zu beschaffen. Die Geldgeber erhalten ausschließlich Anteile an Gewinnen, sodass für das Unternehmen zuvor keine Kosten entstehen. Läuft das Geschäft, erhalten die Investoren Anteile oder Erträge, funktioniert es nicht, hat das Unternehmen zumindest keine Aufwendungen wie Kreditzinsen bei Bankdarlehen gehabt.

Aus Sicht des Investors ist das Venture Capital hochriskant, denn für gewöhnlich fließt das Geld in junge Unternehmen, von denen ein Großteil sich am Markt nicht behaupten kann. Gelingt die Geschäftsidee jedoch und wächst das Unternehmen am Markt schnell und umfangreich, bedeutet das für die Venture Capital Kapitalgeber oftmals hohe Gewinne durch ihre Beteiligung. Aus dem Grund legen die Geldgeber oft großen Wert auf die sogenannte Skalierbarkeit des Geschäftsmodells, da sie sich selten mit Jahresumsätzen im „lediglich“ sechsstelligen Bereich zufriedengeben.

 

Bildquelle: Unsplash.com / Markus Winkler